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Digitale Edition "Kofler Aural"

Genetische Edition „Am Schreibtisch“

Vorrangiges Ziel dieser digitalen genetischen Edition ist es, die Analyse auditiver Phänomene in der Erforschung von Schreibprozessen zu etablieren. „Kofler aural“ macht den Weg der Ton- und Hörspuren in die Literatur nachvollziehbar. Das Werk des Schriftstellers Werner Kofler, einem der großen Satiriker der österreichischen Literatur, eignet sich besonders für die Analyse der Integration von Tönen, Geräuschen und Klängen in die literarische Produktion. In der Prosa „Am Schreibtisch“ erzählt Kofler in sich überlagernden Stimmen, jeder Abschnitt inszeniert eine neue Stimme. Der Autor verfährt nach einem dialogischen Grundprinzip, in dem das Gesprochene – auch bei Monologen – stets widerhallt.

Die Edition präsentiert in einer Text-Bild-Synopse sämtliche überlieferte Textträger, die transkribiert und im Format TEI-XML kodiert werden. Anhand von elf Fallbeispielen (Textpassagen) können die Hörspuren von Stimmen, Geräuschen und Musik durch die Schichten des Archivmaterials verfolgt werden, von den Notizen bis zur Druckvorlage. Um transparent zu machen, wie intensiv und in welcher thematischen Breite Kofler bereits in den ersten Entwürfen an der sprachlichen Umsetzung von ,Hören‘ und ,Sprechen‘ gearbeitet hat, werden 54 Einzelbeispiele angeführt („ Kategorisierung/Hörspuren “), in fünf Kategorien eingeteilt und der finalen Version der Reinschrift gegenübergestellt.

Dem titelgebenden Begriff der Auralität liegt die Vorstellung eines Schreibens als Wahrnehmungsproduktion zugrunde. Auralität adressiert das „innere Ohr“, die Subvokalisation und supponiert eine Prädisposition der (nicht-akustischen) Klangwahrnehmungen oder -vorstellungen im Schreibprozess. Darin inkludiert sind die Medien des Hörens, das Stimmliche, die Nähe zur Musik sowie zum Kompositorischen und die beim Schreiben impliziten Lautstärkeregelungen. Denn zum (schreibenden und lesenden) Hören gehört etwa auch die Stille. Der letzte (durchgestrichene) Satz des Entwurf-Typoskripts von „Am Schreibtisch“ zeigt, wie sehr Kofler vom Auditiven her denkt: „u[nd] es wird still in mir“.

Die digitale textgenetische Edition „Kofler aural“ ist im Rahmen eines FWF-Projekts am Robert-Musil-Institut für Literaturforschung / Kärntner Literaturarchiv (Universität Klagenfurt) – gemeinsam mit dem Institut für Digitale Geistenwissenschaften der Universität Graz – entstanden. Sie ist eine Edition sämtlicher im Archiv überlieferter Textzeugen zur Genese eines einzelnen Prosawerks. Im Mittelpunkt der Edition steht die Analyse auditiver und auraler Phänomene im Schreibprozess.

"Kofler aural" Website